**Hohenstein-Holzhausen über Aar. **Die Sanierung der baufälligen Alten Schule in Holzhausen über Aar ist die zentrale Maßnahme des aktuell laufenden Dorferneuerungsprogramms. Die Förderung durch das Land Hessen ist für die Gemeinde eine einmalige Gelegenheit, das denkmalgeschützte Kleinod für die Dorfgemeinschaft wieder attraktiv zu machen. Aus der Gemeindeverwaltung erfährt der Arbeitskreis Dorferneuerung in der Sache aber keinerlei Unterstützung. Ende September läuft die Antragsfrist ab. Bis dahin muss die Planung fertig sein, eine Baugenehmigung vorliegen und die Mittel müssen vom Haupt- und Finanzausschuss (HFA) freigegeben werden. Die Holzhausener CDU sieht das Projekt nun akut gefährdet und fordert Bürgermeister Daniel Bauer (SPD) dringend auf, seinen vielen Ankündigungen auch tatsächlich Verwaltungshandeln folgen zu lassen.

 

„In der Sitzung des Arbeitskreises Dorferneuerung Mitte Januar herrschte Krisenstimmung“, erinnert Sebastian Willsch, Vorsitzender der CDU Holzhausen über Aar und von Anfang an im Arbeitskreis engagiert. Bürgermeister Daniel Bauer habe über die Entscheidung der Krankenpflegestation berichtet, aus der Alten Schule aus- und in einen noch zu errichtenden Neubau umzuziehen. „Das war ein schwerer Schlag für das Projekt Alte Schule – so sehr dieser Schritt der Diakonie nach der jahrelangen Untätigkeit der Gemeinde bei der geplanten Sanierung auch nachvollziehbar ist. Immerhin war die ganze Planung auf die Bedürfnisse der Diakoniestation im Erdgeschoss abgestimmt“, so Willsch. Um die barrierefreie Erreichbarkeit der geplanten Gemeinschaftsräume im Obergeschoss zu gewährleisten, sei ein Aufzug geplant gewesen, ebenso seien verschiedene Varianten eines Anbaus im Erdgeschoss abgewogen worden, um dem gestiegenen Raumbedarf der Krankenpflegestation gerecht zu werden. Dennoch habe der Arbeitskreis den Kopf nicht in den Sand gesteckt, sondern sofort Alternativen gesucht. So sollten nun im Obergeschoss Wohn- oder Büroräumlichkeiten zur Vermietung vorgesehen werden und die Gemeinschaftsräume stattdessen im Erdgeschoss – so könne man sich sogar auch die Kosten für einen Aufzug sparen. „Bürgermeister Bauer versprach, beim Architekten sofort eine Anpassung der Pläne und eine neue Kostenschätzung in Auftrag zu geben. Wir vereinbarten eine weitere Arbeitskreissitzung für den 6. März, um noch rechtzeitig vor Ende der Antragsfrist für die Sitzung des HFA am 15. März eine Planung zu beschließen, sodass der Bürgermeister dort die Freigabe der Mittel beantragen könne“, berichtet der CDU-Vorsitzende weiter aus der Krisensitzung.

 

In eben dieser Sitzung des Arbeitskreises fehlte Bürgermeister Daniel Bauer unentschuldigt. Er habe sich weder bei der Arbeitskreisvorsitzenden abgemeldet noch sei ein anderer Vertreter aus der Gemeindeverwaltung erschienen. Willsch: „Uns lag keine neue Planung und keine Kostenschätzung vor. Die Vertreterin der WI-Bank, die die Auszahlung der Landesförderungen überwacht, berichtete in der Sitzung sogar von einem Telefonat mit dem Architekten wenige Tage zuvor. Dieser habe schon seit Monaten nichts mehr von der Gemeinde gehört.“

Die CDU Holzhausen über Aar zeigt sich erschüttert: „Wir reden hier über das wichtigste Projekt dieses Jahrzehnts in Holzhausen. Es wird jetzt nun schon seit sechs Jahren immer wieder verschleppt. Nachdem uns der Bürgermeister nun schon über ein Jahr mit dem Hinweis auf die ausstehende Entscheidung der Diakonie vertröstet hat, kann er in einer Zeit von sechs Wochen nicht einmal einen kurzen Anruf beim Architekten erledigen, um die Planung auf den Weg zu bringen. Das Dorferneuerungsprogramm läuft im September nach sieben Jahren aus und bis dahin muss wenigstens die Baugenehmigung vorliegen. Wer schon mal an einem denkmalgeschützten Haus gebaut hat, wird wissen, dass der Bauantrag da besser gestern als heute eingereicht wird, aber daran brauchen wir noch gar nicht zu denken, wenn es noch nicht einmal eine aktuelle Kostenschätzung gibt.“

 

Auch der Hohensteiner CDU-Fraktionsvorsitzende Christian Stettler sieht die Chancen für eine Sanierung der Alten Schule drastisch schwinden: „Die SPD-Fraktion hatte mit ihrer damaligen absoluten Mehrheit die Mittel für die Sanierung schon aus dem Doppelhaushalt 2015/2016 gestrichen und das Projekt solange auf Eis gelegt. Wir stehen hinter der Dorferneuerung in Holzhausen und der Sanierung der Alten Schule. Allerdings sehe ich ohne den enormen Förderanteil des Landes aus dem Dorferneuerungsprogramm keine Mehrheit für die dann von der Gemeinde alleine zu tragenden großen Investitionen in ein einzelnes Gebäude. Dann müsste das Objekt wohl verkauft werden. Offenbar hat Herr Bauer das Fristende im September nicht auf dem Schirm oder er hat die Förderung ohnehin schon abgeschrieben. Jedenfalls engagiert er sich offenbar nicht sonderlich dafür. Dass der Bürgermeister bei einer solch wichtigen Sitzung unentschuldigt fehlt, keinen Vertreter schickt und damit die Ehrenamtlichen alleine lässt, zeugt von seinem Engagement in dieser Sache. Besonders verwunderlich ist das, da er noch im Dezember kurzfristig zu einer Sitzung des Ältestenrats einladen lies, um von der allseits bekannten Dringlichkeit des ganzen Vorhabens zu berichten. Passiert ist in der Zwischenzeit jedoch wohl nichts. Es wäre schon eine kleine Katastrophe, wenn der Gemeinde Fördergelder im sechsstelligen Bereich entgingen, mit denen für Ortsbild und Dorfgemeinschaft viel erreicht werden könnte.“

 

Hintergrund: Die Alte Schule im Herzen von Holzhausen beherbergt im Erdgeschoss die Krankenpflegestation Aarbergen-Hohenstein der Diakonie. Die Räumlichkeiten im Obergeschoss werden  von verschiedensten Gruppen der Dorfgemeinschaft genutzt. So findet hier der Konfirmandenunterricht ebenso seinen Platz wie die Strick- und Häkelgruppe. Auch der Jugendclub hatte hier seinen Raum bis er in den kürzlich im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms errichteten Neubau am Dorfgemeinschaftshaus umgezogen ist. Doch die Bausubstanz verfällt immer weiter. Das Dach ist undicht, das Gebälk morsch und der Keller feucht. Zudem müssen die Nachtspeicherheizkörper dringend gegen eine moderne Heizanlage ausgetauscht werden. Für die Mitarbeiter der Diakoniestation liegen die bauphysikalischen Bedingungen nahe an der Grenze zur Unzumutbarkeit Nur die nun schon jahrelangen Absichtserklärungen der Gemeinde über die geplante Sanierung ließen die Diakonie an dem Objekt festhalten. Anfang des Jahres hat sie nun aber den Umzug der Krankenpflegestation verkündet: Sie will nun an anderer Stelle in Holzhausen neu bauen.

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